Lighthouse Agentic Browsing ist seit Mai 2026 eine Kategorie von Lighthouse, Googles Open-Source-Werkzeug zur Prüfung von Webseiten. Lighthouse steckt auch in den Chrome-Entwicklertools, den in Chrome eingebauten Werkzeugen für Webentwicklung, und in PageSpeed Insights, Googles kostenloser Prüfseite im Web. Die Kategorie nimmt eine eigene Art von Besuchern in den Blick: KI-Agenten, die im Auftrag von Menschen Aufgaben auf Websites erledigen, etwa einen Termin buchen oder eine Bestellung aufgeben. Dafür brauchen sie laut Google vorhersehbare, maschinenlesbare Signale: Sie müssen Schaltflächen und Formularfelder erkennen und zuverlässig bedienen können. Google bezeichnet die Kategorie als experimentell und auf vorgeschlagenen Standards beruhend. In der deutschen Oberfläche heißt sie „Agentisches Browsing“.
Was die Kategorie prüft
Barrierefreiheit für Agenten
Agenten nutzen laut Google den Accessibility Tree als wichtigste Informationsquelle: die vereinfachte Fassung einer Seite, die der Browser aus dem HTML ableitet und die auch Screenreader (Vorleseprogramme für blinde und sehbehinderte Menschen) verwenden. Lighthouse prüft deshalb eine Auswahl von Barrierefreiheitsregeln, die für die Bedienung durch Maschinen entscheidend sind. Dazu gehört, ob jede Schaltfläche, jeder Link und jedes Formularfeld einen Namen hat, den Programme auslesen können, ob ARIA-Angaben (Zusatzangaben im HTML für Hilfstechnologien) korrekt verwendet werden und ob die Seite einen Titel hat. Schaltflächen und Formularfelder erhalten ihren Namen meist aus ihrem sichtbaren Text oder aus einer zugehörigen Beschriftung im HTML, dem label-Element; deshalb liefert semantisches HTML ihn oft von selbst. Hier überschneidet sich die Prüfung mit der digitalen Barrierefreiheit.
Layout-Stabilität (CLS)
Agenten arbeiten oft mit Screenshots und klicken auf eine bestimmte Stelle des Bildschirms. Verschiebt sich die Seite, nachdem ein Agent eine Schaltfläche gefunden hat, kann er laut Google ihre Position falsch berechnen und danebenklicken. Lighthouse misst das mit dem Cumulative Layout Shift (CLS), einer Kennzahl dafür, wie stark sichtbare Elemente einer Seite unerwartet verrutschen. Als gut gilt nach Google ein Wert von 0,1 oder weniger, als schlecht ein Wert über 0,25. Typische Ursachen sind Bilder und Videos ohne Größenangabe, Werbung, eingebettete Inhalte und nachgeladene Elemente ohne reservierten Platz sowie Webschriften, die größer oder kleiner ausfallen als die Ersatzschrift, die bis zum Laden angezeigt wird. Ein Bild mit den Angaben width und height, etwa 640 und 360 Pixel, gibt dem Browser vorab die Fläche vor, die er freihalten muss.
llms.txt
Lighthouse ruft die Datei /llms.txt im Hauptverzeichnis der Domain ab. Eine llms.txt fasst die wichtigsten Inhalte einer Website für Sprachmodelle und KI-Agenten zusammen. Fehlt die Datei, gilt die Prüfung als nicht zutreffend; Google bezeichnete die Datei im Mai 2026 als vorerst optional. Nicht bestanden ist die Prüfung, wenn sich die Datei nicht abrufen lässt, etwa wegen eines Serverfehlers, oder wenn ihr Inhalt eine von drei Mindestanforderungen verfehlt. Lighthouse erwartet Markdown, eine einfache Schreibweise für formatierten Text, mit mindestens einer Überschrift erster Ebene wie „# Musterfirma GmbH“, mindestens einem Link, bei dem der Linktext in eckigen Klammern steht und die Adresse direkt dahinter in runden Klammern, und mindestens 50 Zeichen.
WebMCP
WebMCP ist ein vorgeschlagener Webstandard, mit dem eine Website ihre Funktionen KI-Agenten als Werkzeuge mit Namen und Beschreibung anbietet, statt Agenten aus Schaltflächen und Feldern erschließen zu lassen, wozu sie dienen; Chrome erprobt ihn seit Chrome 149 in einem Origin Trial, einer befristeten Testphase, für die sich Websites registrieren. Im einfachsten Fall erhält ein bestehendes HTML-Formular dafür zwei Attribute, also zusätzliche Angaben im HTML-Code: toolname, etwa mit dem Wert termin_buchen, und tooldescription mit einem Satz wie „Bucht einen Beratungstermin“. Lighthouse listet die registrierten Werkzeuge auf und weist auf Formulare ohne WebMCP-Angaben hin, ohne beides als Fehler zu werten; seit Lighthouse 13.5.0 warnt es zudem, wenn mehr als 40 Werkzeuge registriert sind. Eine dritte Prüfung kontrolliert, ob die Angaben vollständig sind: Trägt ein Formular nur eines der beiden Attribute oder hat ein Pflichtfeld kein name-Attribut, ist sie nicht bestanden. Fehlen nur Angaben bei optionalen Feldern, etwa eine Beschreibung im Attribut toolparamdescription, gibt Lighthouse Warnungen aus; auch dann zählt die Prüfung nicht als bestanden.
Katalog für KI-Agenten
Mit Lighthouse 13.5.0 kam im September 2026 eine weitere Prüfung hinzu. Sie kontrolliert einen Katalog nach dem Vorschlag Agentic Resource Discovery (ARD), mit dem Anbieter Werkzeuge und Dienste für KI-Agenten in einer Datei beschreiben. Lighthouse 13.5.0 sucht diese Datei standardmäßig unter dem Namen ai-catalog.json; die Fassung des Vorschlags vom August 2026 nennt sie ard.json und führt ai-catalog.json als früheren Namen. Findet Lighthouse keinen Katalog, gilt die Prüfung als nicht zutreffend.
So führst du die Prüfung aus
- PageSpeed Insights: Adresse einer Seite eingeben und analysieren lassen. Die Kategorie erscheint im Bericht neben den übrigen Lighthouse-Kategorien; eine Installation ist nicht nötig.
- Chrome-Entwicklertools: Ab Chrome 150 im Bereich „Lighthouse“ unter „Kategorien“ das Kästchen „Agentisches Browsing“ ankreuzen, das standardmäßig nicht aktiviert ist. Hier lassen sich auch Seiten prüfen, die eine Anmeldung erfordern.
- Lighthouse-Kommandozeile: Lighthouse als Programm ohne Browseroberfläche, das Entwickler automatisch starten können, etwa bei jeder neuen Version der Website. Auch hier braucht die Prüfung Chrome 150 oder neuer. Seit Lighthouse 13.3.0 gehört die Kategorie zur Standardkonfiguration; Google beschreibt die Prüfungen als reproduzierbar und für automatisierte Abläufe geeignet.
So liest du das Ergebnis
Anders als die übrigen Lighthouse-Kategorien hat Agentic Browsing keine Punktzahl von 0 bis 100. Der Bericht zeigt einen Bruch wie 3/4, also drei von vier anwendbaren Prüfungen bestanden; einzelne Prüfungen können Warnungen ausgeben. Prüfungen, die auf eine Seite nicht zutreffen, stehen unter „Nicht zutreffend“ und zählen nicht mit. Das gilt auch für WebMCP: Eine Seite ohne WebMCP-Werkzeuge verliert dadurch nichts, weil diese Prüfungen dann als nicht zutreffend oder nur informativ geführt werden. Google begründet die Zählweise mit dem frühen Stadium: Die Standards für KI-Agenten im Web entstehen erst, deshalb will Google vorerst Daten sammeln und konkrete Hinweise geben, statt Websites abschließend zu bewerten; im Bericht kennzeichnet Google die Kategorie als noch in Entwicklung.
Zwei der geprüften Bereiche nützen nicht nur Agenten, sondern allen Besuchern: Beschriftete Bedienelemente helfen Menschen mit Screenreader, und ein stabiles Layout bewahrt alle davor, den falschen Link oder Knopf zu treffen. Weil die Prüfungen nach festen Regeln arbeiten, eignet sich das Ergebnis je Prüfung auch, um Fortschritte festzuhalten, etwa vor und nach einer Änderung an den Seitenvorlagen; schwanken kann es vor allem, wenn sich die Seite selbst beim Laden verändert. Welche Bausteine eine Website insgesamt für Agenten zugänglich machen, beschreibt der Begriff agentenfreundliche Website.