ChatGPT search ist keine eigene App, sondern eine Funktion innerhalb von ChatGPT, im Browser ebenso wie in den Desktop- und Mobil-Apps. Auf seinen deutschsprachigen Seiten nennt OpenAI sie auch „ChatGPT Suche“. Hervorgegangen ist sie aus einem Prototyp namens SearchGPT, den OpenAI im Juli 2024 vorgestellt hatte; das Beste daraus hat OpenAI nach eigenen Angaben anschließend in ChatGPT übernommen. Über ChatGPT search können aktuelle Inhalte deiner Website in ChatGPT-Antworten gelangen und dort als Quelle verlinkt werden. Ohne diesen Abruf antwortet ChatGPT aus dem Wissen, das seine Sprachmodelle im Training erworben haben.
Wie ChatGPT search eine Frage umformuliert
Bindet ChatGPT search externe Anbieter ein, übernimmt ChatGPT eine Frage laut OpenAI in der Regel nicht wörtlich, sondern formuliert sie in eine oder mehrere gezielte Anfragen um und schickt diese an die Anbieter. Nach Durchsicht der ersten abgerufenen Inhalte kann ChatGPT weitere, genauere Anfragen an andere Anbieter schicken. Dieser Schritt heißt Query Rewriting, also Umformulieren der Anfrage; eng verwandt ist Query Fan-out, das Aufteilen einer Frage in mehrere Teilanfragen.
In die Anfragen können auch Angaben einfließen, die gar nicht in der Frage stehen:
- Ungefährer Standort: ChatGPT kann aus der IP-Adresse einen ungefähren Standort ableiten und an die Anbieter weitergeben. Fragt jemand nach guten Restaurants in der Nähe und weist die IP-Adresse auf San Francisco hin, kann daraus laut OpenAI eine Anfrage nach den besten Restaurants in San Francisco werden. Einen genaueren Gerätestandort nutzt ChatGPT nur, wenn er freigegeben ist.
- Gespeicherte Erinnerungen: Ist die Erinnerungsfunktion (Memory) aktiv, kann ChatGPT passende gespeicherte Erinnerungen in die Anfrage aufnehmen, etwa dass jemand vegan lebt.
Welche Seiten ChatGPT abruft, hängt deshalb von den Anfragen ab, die es selbst formuliert, und nicht allein vom Wortlaut der ursprünglichen Frage. Dieselbe Frage kann bei zwei Personen zu unterschiedlichen Anfragen und damit zu unterschiedlichen Quellen führen.
Woher die Quellen kommen
Die Inhalte für eine Antwort bezieht ChatGPT search auf drei Wegen:
- OpenAIs Crawler: OAI-SearchBot erfasst Websites, damit ChatGPT sie in seinen Antworten anzeigen und verlinken kann. Laut OpenAI kommt eine Website dafür nur infrage, wenn ihre robots.txt OAI-SearchBot zulässt und weder ihr Hosting-Anbieter noch ein Content-Delivery-Network (CDN) den Crawler aussperrt; beides gehört zur Crawlbarkeit einer Website.
- Externe Anbieter: Laut OpenAI arbeitet ChatGPT search teilweise mit anderen Anbietern zusammen, etwa mit Microsoft und Shopify. Für Fragen mit Ortsbezug kann ChatGPT zudem Drittanbieter einbinden, die zum Beispiel Brancheneinträge aus der Umgebung oder Wetterdaten liefern.
- Inhalte von Partnern: Bei der Einführung im Oktober 2024 nannte OpenAI außerdem Inhalte, die Partner wie Nachrichten- und Datenanbieter direkt bereitstellen, etwa zu Wetter, Aktien, Sport, Nachrichten und Karten.
ChatGPT kann nur aus dem wählen, was es über diese Wege für eine Frage abgerufen hat. Laut OpenAI ordnet es die abgerufenen Webinhalte nach mehreren Faktoren, die zu relevanten und verlässlichen Informationen führen sollen; einzelne Faktoren nennt OpenAI nicht und garantiert auch keinen Platz als Quelle. Seiten, auf die sich eine Antwort stützt, können darin als KI-Zitat erscheinen, also als Quellenangabe, die per Klick zur jeweiligen Seite führt.
Was das für dein Unternehmen bedeutet
In den Beispielen, die OpenAI nennt, sind die umformulierten Anfragen konkreter als die ursprüngliche Frage und können zusätzliche Angaben enthalten, etwa einen Ort. Seiten, auf denen klar und aktuell steht, was du anbietest, zu welchen Preisen und an welchen Standorten, können solche Anfragen eher beantworten. Wie gut sich einzelne Abschnitte als Quelle eignen, beschreibt die Zitierfähigkeit.
Links aus ChatGPT tragen laut OpenAI den Parameter utm_source=chatgpt.com, sodass sich Besuche darüber in der Webanalyse getrennt als KI-Referral-Traffic auswerten lassen. Deine KI-Sichtbarkeit in ChatGPT lässt sich dagegen erst durch wiederkehrendes Prompt-Tracking über viele typische Fragen hinweg beurteilen, denn ein einzelnes Konto spiegelt Standort und Erinnerungen genau einer Person.
Weil ChatGPT Fragen auch mithilfe des Webs beantwortet, gilt es im Sinne des Digital Services Act (DSA) als Online-Suchmaschine; am 31. August 2026 hat die EU-Kommission ChatGPT als sehr große Online-Suchmaschine eingestuft.