Ein Brancheneintrag hält die Eckdaten eines Unternehmens in festen Feldern fest. Für eine Bäckerei kann er etwa so aussehen: Name „Bäckerei Muster“, Adresse „Lindenweg 8, 12345 Musterstadt“, Öffnungszeiten „Montag bis Samstag 6 bis 18 Uhr“, Kategorie „Bäckerei“, dazu Telefonnummer und Website. Weil jede Angabe in einem eigenen Feld steht, kann Software sie direkt auslesen und muss die Öffnungszeiten nicht erst aus einem Fließtext heraussuchen.

Solche Einträge gibt es an vielen Stellen: im Google Unternehmensprofil, das unter anderem in Google Maps erscheint; in anderen Kartendiensten; in allgemeinen und fachlichen Branchenverzeichnissen, etwa für Handwerksbetriebe, Arztpraxen oder Hotels; und in Profilen auf Buchungs- und Bewertungsplattformen. Viele Einträge entstehen, ohne dass ein Unternehmen sie selbst anlegt, weil Verzeichnisse und Kartendienste Angaben aus anderen Quellen übernehmen. Bestimmen kann ein Unternehmen über einen solchen Eintrag meist erst, wenn es ihn beansprucht und seine Inhaberschaft bestätigt hat.

Wie KI-Systeme Brancheneinträge nutzen

Bei Fragen mit Ortsbezug, etwa „Welche Bäckerei in Musterstadt hat samstags früh geöffnet?“, brauchen KI-Systeme genau die Angaben, die in Brancheneinträgen stehen. Die Anbieter beschreiben unterschiedlich genau, woher sie solche Daten nehmen:

  • ChatGPT: Laut OpenAI kann ChatGPT Standortinformationen nutzen, um etwa Restaurants, Nachrichten oder das Wetter in der Umgebung in eine Antwort einzubeziehen, und den Standort der Nutzerin oder des Nutzers dafür an Drittanbieter weitergeben, die zusätzliche lokale Informationen liefern, etwa Brancheneinträge in der Nähe. Welche Anbieter das sind, nennt OpenAI nicht. Für Restaurants kann ChatGPT außerdem freie Reservierungszeiten anzeigen: von OpenTable weltweit, von Resy in den USA und von Yelp in den USA und Kanada, jeweils je nach Restaurant. Wie ChatGPT Inhalte aus dem Web einbezieht, beschreibt der Eintrag zu ChatGPT search.
  • Gemini und die KI-Funktionen von Google: Google schreibt, dass Antworten seiner KI-Funktionen in der Google Suche, also der Übersicht mit KI und des KI-Modus, Informationen zu lokalen Unternehmen enthalten können und dass Unternehmensprofile dazu beitragen können, dass Produkte und Dienstleistungen in KI-Antworten sichtbar sind. Zu den empfohlenen Vorgehensweisen für diese Funktionen zählt Google, die Angaben im Unternehmensprofil aktuell zu halten. Die Gemini-Apps können laut Google je nach Einstellung öffentliche Informationen aus Google Maps nutzen. In Google Maps selbst beantwortet die Funktion Ask Maps seit März 2026 mithilfe von Gemini-Modellen komplexe Fragen zu Orten. Nach dem Start in den USA und Indien begann Google im August 2026, Ask Maps in weiteren Ländern einzuführen, auf Englisch in über 150 Ländern und Gebieten.
  • Claude: Laut Anthropic können Nutzerinnen und Nutzer Claude seit April 2026 über sogenannte Konnektoren, also selbst aktivierte Schnittstellen zu anderen Diensten, unter anderem mit Tripadvisor, Booking.com und Thumbtack verbinden. Auf diesen Plattformen führen Unternehmen eigene Profile.

Wie stark ein KI-System Brancheneinträge im Vergleich zu anderen Quellen gewichtet, legen die Anbieter nicht offen. Branchenverzeichnisse sind zudem gewöhnliche Websites: KI-Systeme können sie für eine Antwort abrufen und als Quelle angeben, und ihre Inhalte können in die Trainingsdaten künftiger Sprachmodelle einfließen. Veraltete Angaben in einem Verzeichnis können deshalb in KI-Antworten auftauchen, auch wenn die eigene Website längst aktuell ist.

Einheitliche Angaben und laufende Pflege

Sinnvoll ist, dass Name, Adresse, Öffnungszeiten und Kategorie in jedem Brancheneintrag mit der eigenen Website übereinstimmen und ebenso mit dem Organization-Markup, den maschinenlesbaren Firmenangaben im Quelltext der Website. Warum widersprüchliche Angaben KI-Antworten beeinträchtigen können und wie ein Unternehmen seine Kernfakten überall gleich hält, beschreibt der Eintrag zu konsistenten Markeninformationen.

Für sein Unternehmensprofil, das Google in seinen Hinweisen zu den KI-Funktionen ausdrücklich nennt, gibt Google eigene Regeln vor. Der Name im Profil soll der Name sein, den ein Unternehmen auch auf dem Ladenschild, auf der Website und auf dem Briefpapier verwendet, ohne Zusätze wie Werbeslogans. Die Kategorien sollen das Kerngeschäft mit so wenigen Einträgen wie möglich beschreiben. Neben den regulären Öffnungszeiten lassen sich spezielle Öffnungszeiten für Feiertage oder besondere Anlässe hinterlegen.

Die Pflege eines Brancheneintrags ist keine einmalige Aufgabe, denn Öffnungszeiten, Telefonnummern und Adressen ändern sich. Nach einem Umzug oder neuen Öffnungszeiten gehören die neuen Angaben deshalb nicht nur auf die Website, sondern auch in jeden bekannten Eintrag. Viele Einträge zeigen außerdem Bewertungen; welche Rolle Bewertungen und andere fremde Quellen für KI-Antworten spielen, gehört zu Offpage-GEO.