Offpage-GEO richtet den Blick über die eigene Website hinaus. Wenn KI-Systeme wie ChatGPT, Gemini, Claude und Perplexity ein Angebot beschreiben oder empfehlen, stützen sie sich oft nicht nur auf die Website des Anbieters, sondern auch auf das, was andere darüber schreiben. Neben dem GEO-Monitoring und Onpage-GEO, der Arbeit an der eigenen Website, ist Offpage-GEO eines der drei Handlungsfelder der Generative Engine Optimization (GEO). Zu Offpage-GEO zählen auch Profile und Einträge, die ein Unternehmen außerhalb seiner Website selbst pflegt, etwa in sozialen Netzwerken oder Branchenverzeichnissen.
Wie fremde Quellen in KI-Antworten gelangen
Inhalte fremder Websites können auf zwei Wegen in eine KI-Antwort einfließen. Zum einen lernen Sprachmodelle aus ihren Trainingsdaten, großen Textmengen etwa aus Sammlungen von Webseiten und aus Wikipedia; was andere über ein Unternehmen geschrieben haben, kann so in das Wissen eines Modells eingehen. Zum anderen rufen viele KI-Systeme für eine Antwort aktuelle Inhalte ab und geben die verwendeten Seiten als Quellen an. Solche KI-Zitate können dann auf Fachartikel, Vergleichsseiten oder Foren verweisen, in denen ein Angebot vorkommt, statt auf die Website des Anbieters. Google schreibt über seine KI-Funktionen wie die Übersicht mit KI und den KI-Modus, dass sie zeigen können, was im Web über Produkte und Dienstleistungen gesagt wird, auch in Blogs, Videos und Forendiskussionen.
Dass die Website einer Marke für KI-Systeme oft nur eine Quelle unter vielen ist, legen auch zwei Studien nahe, die als Preprints ohne abgeschlossene Begutachtung durch Fachleute veröffentlicht wurden. Was sie über die Rolle unabhängiger Medien, Test- und Vergleichsseiten zeigen und wo ihre Grenzen liegen, beschreibt der Eintrag zu Earned Media.
Wo Präsenz außerhalb der eigenen Website entsteht
Die wichtigsten Orte für Offpage-GEO unterscheiden sich darin, wer die Inhalte schreibt:
- Unabhängige Medien: Fachartikel, Testberichte, Vergleiche und Interviews, über deren Inhalt eine Redaktion entscheidet. Solche Berichte zählen zu den Earned Media.
- Bewertungen: Erfahrungen, die Kundinnen und Kunden auf Bewertungsplattformen und in Firmenprofilen teilen. Ein Unternehmen kann echte Kundschaft darum bitten, ihre Erfahrungen zu schildern.
- Communitys: Foren, Frage-Antwort-Plattformen und soziale Netzwerke, in denen Menschen über Anbieter und Produkte diskutieren. Wer sich dort im Namen eines Unternehmens beteiligt, sollte sich offen als dessen Vertreterin oder Vertreter zu erkennen geben.
- Verzeichnisse und Firmenprofile: Brancheneinträge in Verzeichnissen und Kartendiensten sowie Profile wie das Google Unternehmensprofil. Laut Google können Unternehmensprofile dazu beitragen, dass Produkte und Dienstleistungen in den KI-Antworten der Google Suche sichtbar sind.
- Nachschlagewerke: die Online-Enzyklopädie Wikipedia und die freie Wissensdatenbank Wikidata. Wikipedia nimmt nur Unternehmen auf, die nach den Maßstäben der jeweiligen Sprachversion enzyklopädisch relevant sind. Wikidata ist offener: Dort kann ein Unternehmen aufgenommen werden, wenn es sich eindeutig identifizieren und mit seriösen, öffentlich zugänglichen Quellen beschreiben lässt.
Weil KI-Systeme Angaben aus vielen dieser Quellen zusammenführen können, sollten die Kernfakten eines Unternehmens überall gleich lauten; widersprüchliche Angaben können es erschweren, ein Unternehmen eindeutig als Entität zu erkennen. Wie ein Unternehmen das erreicht, beschreibt der Eintrag zu konsistenten Markeninformationen.
Präsenz verdienen statt vortäuschen
Offpage-GEO beruht auf echter Präsenz: auf Berichten, Bewertungen und Diskussionen, die tatsächlich so entstanden sind, wie sie erscheinen. Google und Microsoft sehen künstlich erzeugte Präsenz kritisch. Google schreibt, unechte Erwähnungen im Web zu erzeugen, sei nicht so hilfreich, wie es vielleicht scheine: Seine KI-Funktionen stützten sich sowohl auf Systeme, die hochwertige Inhalte bevorzugen, als auch auf Systeme, die Spam aussortieren. Microsoft zählt in den Webmaster-Richtlinien von Bing, die auch für Copilot gelten, gekaufte Links und künstliche Kampagnen in sozialen Netzwerken, die Beliebtheit nur vortäuschen, zu den Manipulationen; Websites, die so vorgehen, werden laut Microsoft womöglich seltener oder gar nicht mehr als Grundlage für Antworten ausgewählt.
Auch rechtlich gibt es Grenzen: Seit Mai 2022 ist es in der EU verboten, gefälschte Verbraucherbewertungen abzugeben oder bei anderen in Auftrag zu geben, um Produkte zu bewerben. In Deutschland steht diese Regel im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Nach diesem Gesetz kann es zudem als unlauter gelten, den kommerziellen Zweck einer Äußerung zu verschweigen, etwa bei einem Forenbeitrag im Auftrag eines Unternehmens.