Zitierfähigkeit ist eine Eigenschaft von Inhalten, nicht von KI-Systemen: Sie beschreibt, ob ein einzelner Abschnitt einer Webseite noch funktioniert, wenn er aus der Seite herausgelöst wird. Das ist wichtig, weil KI-Systeme wie ChatGPT, Gemini, Claude oder Perplexity für viele Antworten Inhalte aus dem Web abrufen und die verwendeten Seiten häufig als KI-Zitate angeben.

Warum es auf einzelne Abschnitte ankommt

KI-Systeme, die für eine Antwort passende Inhalte nachschlagen (Retrieval-Augmented Generation), zerlegen Dokumente häufig in kleinere Textabschnitte, die sie einzeln abrufen. Dabei kann ein Abschnitt seinen Zusammenhang verlieren. Anthropic, der Anbieter von Claude, nennt dafür ein Beispiel: Der Satz „Der Umsatz des Unternehmens stieg gegenüber dem Vorquartal um 3 Prozent“ verrät für sich genommen weder, welches Unternehmen, noch, welcher Zeitraum gemeint ist.

In einer Studie, vorgestellt auf der Fachkonferenz EMNLP 2024, funktionierte der Abruf besser, wenn ein Sprachmodell den Text vorab in einzelne, eigenständige Aussagen zerlegt hatte statt in längere Passagen. Beim Web-Search-Tool der Claude-API enthält zudem jedes Zitat einen Ausschnitt des zitierten Textes von bis zu 150 Zeichen. Jedes dieser Zitate verweist also auf eine konkrete Textstelle. Wie die einzelnen KI-Systeme Webseiten intern verarbeiten, legen ihre Anbieter allerdings meist nicht im Detail offen.

Was einen Abschnitt zitierfähig macht

Microsoft schreibt in den Webmaster-Richtlinien von Bing, dass Dienste wie Copilot eine Seite eher als Grundlage für KI-Antworten (Grounding) und für Zitate auswählen, wenn deren Inhalt für sich allein steht. Fakten und Definitionen sollen ausdrücklich formuliert sein, statt sich nur aus dem Zusammenhang zu ergeben. Aus diesen und weiteren Hinweisen der Richtlinien lassen sich einige Faustregeln ableiten:

  • Das Thema ist benannt: Ein Abschnitt nennt Unternehmen oder Produkt beim Namen, statt mit „es“ oder „dieses“ auf vorher Gesagtes zu verweisen. Einheitliche Namen machen Unternehmen und Produkte als Entitäten eindeutig erkennbar.
  • Fakten stehen ausdrücklich da: Zahlen, Preise, Datumsangaben und Orte werden genannt, nicht nur angedeutet.
  • Eine Kernaussage, ein klarer Satz: Die wichtigste Information eines Abschnitts lässt sich als einzelner Satz übernehmen. Steht dieser Satz am Anfang des Abschnitts, spricht man von einer Answer-First-Struktur.
  • Ein Thema pro Abschnitt: Eine aussagekräftige Überschrift kündigt an, worum es geht. Mit semantischem HTML ist diese Gliederung auch für Software erkennbar.

Grenzen und Abgrenzung

Zitierfähigkeit verbessert die Voraussetzungen für ein Zitat, garantiert es aber nicht. Auch Microsoft betont, dass GEO keine Zitate in KI-Antworten garantiert. Ob ein KI-System überhaupt Inhalte aus dem Web abruft, hängt vom System und von der Frage ab. Claude etwa tut das laut Anthropics API-Dokumentation vor allem, wenn eine Anfrage aktuelle, sich ändernde oder nicht in den Trainingsdaten enthaltene Informationen erfordert.

Im hier beschriebenen Sinn ist Zitierfähigkeit ein Begriff aus der GEO-Praxis. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch heißt eine Quelle dagegen zitierfähig, wenn sie veröffentlicht, eindeutig identifizierbar und dauerhaft zugänglich ist.