Der KI-Share-of-Voice gibt in Zahlen Antwort auf eine einfache Frage: Wie schneidet deine Marke in KI-Antworten im Vergleich zu ihren Wettbewerbern ab? Ein Beispiel: Von 100 Antworten auf dieselben Fragen nennen 30 deine Marke, Wettbewerber A kommt in 50 Antworten vor, B in 40 und C in 20. Zusammen erhalten die vier Marken 140 Erwähnungen; 30 davon entfallen auf deine Marke, ein Anteil von rund 21 Prozent.

Damit unterscheidet sich der KI-Share-of-Voice von der Erwähnungsrate, die eine Marke für sich betrachtet: Sie gibt an, in wie vielen Antworten die Marke vorkommt, im Beispiel in 30 von 100, also 30 Prozent. Ob 30 Prozent in einem Wettbewerbsumfeld viel oder wenig sind, zeigt erst der Vergleich.

Herkunft aus der Werbung

Share of Voice ist ein Begriff aus der Werbung. Dort bezeichnet er den Anteil einer Marke an der gesamten Werbung ihrer Produktkategorie, meist gemessen an den Werbeausgaben. Der Werbewissenschaftler John Philip Jones von der Syracuse University etwa schlug 1990 in der Harvard Business Review vor, Werbebudgets daran auszurichten, wie sich der Marktanteil einer Marke zu ihrem Share of Voice verhält. Diesen beschrieb er als Anteil am Gesamtwert der wichtigsten Werbeschaltungen in der Produktkategorie.

In der GEO-Arbeit wird die Idee auf KI-Antworten übertragen. An die Stelle der bezahlten Werbung treten die Nennungen in Antworten, die KI-Systeme wie ChatGPT, Gemini, Claude und Perplexity selbst formulieren: Gezählt wird, wie oft eine Marke darin im Vergleich zu ihren Wettbewerbern vorkommt.

Erwähnungen oder Zitate

Der KI-Share-of-Voice lässt sich auf zwei Arten messen. In der einen Form zählt er Erwähnungen, also ob eine Antwort eine Marke im Text nennt. Eine Variante, im Englischen auch Citation Share genannt, zählt stattdessen Quellenangaben: Welcher Anteil der KI-Zitate in den Antworten verweist auf deine Website? Gemessen wird dieser Anteil entweder an allen zitierten Quellen oder nur an den Zitaten, die auf deine Website und die Websites der Wettbewerber entfallen. Der Anteil an Erwähnungen und der Anteil an Zitaten können weit auseinanderliegen. Eine Marke kann häufig genannt werden, während die Antworten vor allem Seiten von Wettbewerbern, Fachportalen oder Vergleichsseiten als Quelle angeben.

Microsoft begann im Juni 2026, in den Bing Webmaster Tools, seinem Werkzeug für Betreiberinnen und Betreiber von Websites, einen solchen Anteil als Vorschau auszuweisen. Der Bericht AI Performance zeigt dort den Anteil einer Website an allen Quellenangaben zu einer bestimmten Abfrage, mit der die KI Inhalte für ihre Antworten abgerufen hat. Weil der Bericht nicht offenlegt, welche Websites den Rest erhalten, lässt sich dieser Wert nicht auf eine selbst gewählte Gruppe von Wettbewerbern eingrenzen. Microsoft beschreibt ihn ausdrücklich als beobachtende Kennzahl, nicht als Wettbewerbsvergleich.

Warum Werte verschiedener Tools abweichen

Eine einheitliche Formel für den KI-Share-of-Voice gibt es nicht. Wie jede Kennzahl aus KI-Antworten hängt er davon ab, welche Fragen das Prompt-Set enthält und auf welchen KI-Systemen mit welchen Einstellungen gemessen wird. Beim Share of Voice kommen zwei Entscheidungen hinzu, die jedes Tool selbst trifft:

  • Wettbewerber: Die Liste der Wettbewerber bestimmt die Gesamtzahl, durch die geteilt wird. Wird eine Marke, die in den Antworten vorkommt, in die Liste aufgenommen oder aus ihr gestrichen, ändern sich alle Anteile, auch wenn die Antworten gleich bleiben. Ein Anteil an allen Marken, die in den Antworten überhaupt vorkommen, fällt wiederum anders aus als ein Anteil innerhalb einer festen Liste.
  • Zählweise: Ob eine Marke pro Antwort höchstens einmal zählt oder bei jeder Nennung, verändert das Ergebnis. Ebenso macht es einen Unterschied, ob alle Erwähnungen zusammengezählt werden oder ob zuerst für jede Antwort ein Anteil berechnet und dann gemittelt wird. Nennt eine Antwort deine Marke und einen Wettbewerber, eine zweite deine Marke und neun Wettbewerber, kommt deine Marke zusammengezählt auf 2 von 12 Erwähnungen, also rund 17 Prozent. Im Mittel der beiden Antworten mit 50 und 10 Prozent sind es dagegen 30 Prozent.

Zwei Tools können für dieselbe Marke deshalb deutlich unterschiedliche Werte ausweisen, ohne dass einer davon falsch ist. Aussagekräftig ist der KI-Share-of-Voice vor allem als Entwicklung innerhalb eines Tools: mit derselben Wettbewerberliste, denselben Prompts und denselben KI-Systemen, gemessen in festen Abständen, etwa monatlich. Ändert sich die Liste der Wettbewerber, gehört das in den Bericht, damit ein Sprung im Verlauf nicht als Erfolg oder Rückschlag missverstanden wird.

Was der KI-Share-of-Voice zeigt und was nicht

Als einzelne Zahl eignet sich der KI-Share-of-Voice gut für Berichte, auch an die Geschäftsführung: Er zeigt auf einen Blick, wie präsent eine Marke in KI-Antworten im Verhältnis zu ihren Wettbewerbern ist. Im GEO-Monitoring ergänzt er Kennzahlen wie die Erwähnungsrate und die Zitierrate.

Nicht ablesen lässt sich an ihm, in welchem Ton eine Marke genannt wird, ob sie empfohlen oder nur aufgezählt wird und ob die Angaben über sie stimmen. Letzteres misst die Faktentreue von KI-Antworten. Ein hoher Anteil an Erwähnungen ist deshalb nur dann ein gutes Zeichen, wenn auch die Darstellung stimmt.