Bing AI Performance liefert Zahlen aus erster Hand: Microsoft zählt die KI-Zitate einer Website selbst, und zwar in den KI-Antworten, die Menschen tatsächlich angezeigt wurden, nicht in ausgewählten Testfragen. Zu sehen sind die Zahlen in den Bing Webmaster Tools, Microsofts Werkzeug für Website-Betreiber. Zur Einführung schrieb Microsoft, damit lasse sich erstmals sehen, wie oft die eigenen Inhalte in KI-generierten Antworten zitiert werden, und bezeichnete den Bericht als frühen Schritt hin zu Werkzeugen für Generative Engine Optimization (GEO).

Erfasst werden Zitate in Microsoft Copilot, in KI-generierten Zusammenfassungen in Bing und in KI-Integrationen ausgewählter Partner, die Microsoft nicht namentlich nennt. Gezählt wird, wenn ein Inhalt sichtbar als Quelle angegeben wurde. Wie in Bing selbst können dabei nur Inhalte vorkommen, die Bing in seinen Index aufnehmen darf; Microsoft betont, dass Bing die Vorgaben von Website-Betreibern in der robots.txt und in anderen unterstützten Steuerungsmöglichkeiten beachtet.

Um den Bericht zu sehen, braucht es ein Konto bei den Bing Webmaster Tools und eine dort bestätigte Website, also den Nachweis, dass einem die Website gehört. Eine Website, die bereits in der Google Search Console bestätigt ist, lässt sich von dort übernehmen; die Search Console ist ein kostenloser Dienst von Google für Website-Betreiber. Laut Microsoft dauert es nach dem Hinzufügen einer Website in der Regel 48 Stunden, bis Daten vorliegen.

Was der Bericht zeigt

Für den gewählten Zeitraum zeigt der Bericht:

  • Zitate insgesamt: wie oft Inhalte der Website als Quelle angegeben wurden. Diese Zahl ist eine Form der Zitierrate.
  • Zitierte Seiten: wie viele verschiedene Seiten der Website an einem Tag zitiert wurden und wie viele es im Schnitt pro Tag waren.
  • Seiten: welche einzelnen Adressen wie oft zitiert wurden, also welche Inhalte der Website tatsächlich als Quelle dienen.
  • Grounding-Queries: kurze Formulierungen, mit denen die KI die später zitierten Inhalte abgerufen hat.
  • Verlauf: wie sich die Zahl der Zitate über die Zeit entwickelt.

Microsoft aktualisiert die Daten täglich mit kurzer Verzögerung. Zur Wahl stehen Zeiträume von 7 Tagen, 30 Tagen und 3 Monaten sowie eigene Zeiträume innerhalb der verfügbaren Daten; weiter zurückliegende Daten stehen laut Microsoft nicht zur Verfügung. Grounding-Queries, Seiten und Verlauf lassen sich als CSV- oder Excel-Datei exportieren. Wer die Entwicklung über längere Zeit verfolgen will, exportiert die Zahlen deshalb regelmäßig, etwa einmal im Monat: die Zitate insgesamt, die meistzitierten Seiten und die wichtigsten Grounding-Queries.

Am 16. Juni 2026 begann Microsoft, vier weitere Auswertungen als Vorschau einzuführen. Die erste ordnet Grounding-Queries nach der Absicht dahinter, etwa informierend, kommerziell, lokal oder vergleichend. Die zweite fasst verwandte Grounding-Queries zu Themen zusammen, zum Beispiel Solarenergie. Die dritte zeigt, welchen Anteil die eigene Website an allen Zitaten hat, die zu einer Grounding-Query angezeigt wurden; das ist eine Form des KI-Share-of-Voice, allerdings ohne Angabe, welche Websites den Rest erhalten. Die vierte legt einen früheren Zeitraum zum Vergleich über die aktuelle Kurve. Absichten und Themen ordnet Microsoft automatisch mit KI zu; die Zuordnung trifft laut Microsoft nicht immer, besonders bei mehrdeutigen Anfragen und sehr speziellen Fachgebieten.

Grounding-Queries: womit die KI Inhalte abruft

Stützt ein KI-System eine Antwort auf Inhalte, die es im Moment der Frage aus dem Web abruft, heißt das Grounding. Die Grounding-Queries im Bericht sind die kurzen Formulierungen, mit denen die KI dabei Inhalte der Website abgerufen hat, die sie anschließend als Quelle angab. Microsoft fasst ähnliche davon zu verallgemeinerten Ausdrücken zusammen. Als Beispiel nennt Microsoft eine Website, die in Antworten rund um Solarenergie zitiert wird: Ihre Zitate können unter Grounding-Queries wie „Solarenergie“ oder „Solarmodule“ erscheinen.

Grounding-Queries sind weder Fragen, wie Menschen sie eintippen, noch vollständige Prompts. Ein KI-System kann eine einzige Frage in mehrere Teilanfragen aufteilen und zu jeder Inhalte abrufen, das heißt Query Fan-out; der Bericht zeigt solche Teilanfragen aber nicht einzeln, sondern nur in dieser zusammengefassten Form. Eine Grounding-Query kann zu mehreren Seiten gehören und eine Seite zu mehreren Grounding-Queries. Im März 2026 hat Microsoft beides im Bericht verknüpft: Wer eine Grounding-Query auswählt, sieht die dazu zitierten Seiten, und wer eine Seite auswählt, sieht ihre Grounding-Queries. Microsoft weist außerdem darauf hin, dass die einzelnen KI-Dienste und Partner Grounding-Queries unterschiedlich bilden können. Als Hinweise sind sie trotzdem nützlich: Sie zeigen, zu welchen Themen eine Website bereits als Quelle dient, und können Anregungen geben, welche Themen in ein Prompt-Set für die eigene Messung gehören.

Was der Bericht nicht zeigt

Ein Zitat bedeutet laut Microsoft nur, dass ein Inhalt sichtbar als Quelle angegeben wurde. Klicks, Besuche oder andere Interaktionen zeigt der Bericht nicht; wie viele Menschen über Links in KI-Antworten auf die Website kommen, erfasst die Webanalyse als KI-Referral-Traffic. Auch über die Rolle einer Seite in einer Antwort sagt der Bericht nichts: Er zählt, wie oft Seiten zitiert werden, nicht, wie wichtig sie für eine Antwort waren oder an welcher Stelle sie standen.

Die Zahlen beruhen auf einer Stichprobe und sind kein vollständiges Protokoll aller Zitate; Microsoft kann Ergebnisse nachträglich verfeinern, wenn weitere Daten verarbeitet sind. Gedacht ist der Bericht deshalb dafür, Entwicklungen über die Zeit zu erkennen, nicht einzelne Antworten genau zu zählen. Auch eine Entwicklung lässt sich laut Microsoft keiner einzelnen Ursache zuordnen: Die Zahl der Zitate kann sich ändern, weil Menschen andere Fragen stellen, weil sich Inhalte ändern oder weil die beteiligten KI-Systeme und Modelle aktualisiert werden.

Schließlich zeigt der Bericht nur, was in Microsofts KI-Diensten und bei seinen Partnern geschieht. Für die Übersicht mit KI und den KI-Modus von Google gibt es in der Google Search Console ein Gegenstück, den Leistungsbericht zu generativen KI-Funktionen. Er zählt Impressionen, also wie oft Links zur Website in diesen KI-Antworten angezeigt wurden. Wie andere KI-Systeme eine Marke darstellen und ob sie sie ohne Link erwähnen, zeigt erst ein GEO-Monitoring mit einem festen Satz eigener Fragen.