Content-Aktualität hat zwei Seiten. Die erste ist der Inhalt selbst: Stimmen Preise, Leistungen, Öffnungszeiten, Ansprechpersonen und Zahlen auf einer Seite noch? Die zweite sind die Datumsangaben, an denen Menschen und Software erkennen, wann eine Seite erschienen ist und wann sie zuletzt geändert wurde. Ein Ratgeber mit dem Vermerk „Zuletzt aktualisiert am 14. September 2026“ zeigt auf einen Blick, wie aktuell er ist; ohne Datum bleibt das offen.
Davon zu unterscheiden ist der Knowledge Cutoff, der Stichtag, bis zu dem die Trainingsdaten eines Sprachmodells Informationen verlässlich abdecken. Content-Aktualität betrifft vor allem die Inhalte, die ein KI-System beim Beantworten einer Frage aus dem Web abruft und als Grundlage seiner Antwort nutzt, ein Verfahren namens Retrieval-Augmented Generation. Dabei zählt die Fassung einer Seite, die dem System vorliegt: oft der Stand, den sein Webindex zuletzt erfasst hat.
So werden Veröffentlichungs- und Änderungsdatum angegeben
Ein Datum lässt sich auf mehreren Ebenen angeben, die sich ergänzen:
- Sichtbares Datum: eine klar beschriftete Angabe auf der Seite, etwa „Veröffentlicht am 2. März 2026“ oder „Zuletzt aktualisiert am 14. September 2026“. Google empfiehlt, das Datum gut sichtbar zu zeigen und so zu beschriften. Bei Beiträgen steht es oft in der Verfasserzeile, die auch den Namen der Autorin oder des Autors nennt und so die Autorschaft sichtbar macht.
- HTML-Element time: Im Code der Seite, dem HTML, lässt sich das sichtbare Datum in ein time-Element setzen, einen Baustein, den der HTML-Standard für Datums- und Zeitangaben vorsieht und der sie zusätzlich maschinenlesbar macht. Seine Zusatzangabe datetime, ein sogenanntes Attribut, enthält das Datum in eindeutiger Form: Aus „14. September 2026“ wird 2026-09-14.
- Strukturierte Daten: In strukturierten Daten nach schema.org geben die Eigenschaften datePublished das Datum der ersten Veröffentlichung und dateModified das Datum der letzten Änderung an. Google empfiehlt sie etwa in den Typen Article für Beiträge und BlogPosting für Blogartikel.
- XML-Sitemap: Die Angabe lastmod in der XML-Sitemap zeigt Crawlern, also Programmen, die Websites automatisch abrufen, wann sich eine Seite zuletzt geändert hat.
Um das Datum einer Seite zu bestimmen, verlässt sich Google nach eigener Aussage nicht auf eine einzelne Angabe, weil jede fehleranfällig sein kann, sondern wertet mehrere aus. Das Datum soll beschreiben, wann die Seite veröffentlicht oder aktualisiert wurde, nicht etwa den Termin einer Veranstaltung, über die sie berichtet, und es soll nicht in der Zukunft liegen. Wird trotz dieser Regeln ein falsches Datum erkannt, rät Google, andere Datumsangaben auf der Seite ganz oder teilweise zu entfernen.
Was KI-Systeme über das Alter einer Seite erfahren
Wie KI-Systeme Datumsangaben nutzen, legen ihre Anbieter nur in Ausschnitten offen. Für das Web-Search-Tool der Claude API, mit dem Entwickler Claude im Web suchen lassen, dokumentiert Anthropic, dass es zu jeder gefundenen Seite neben Adresse und Titel das Feld page_age liefern kann: wann die Seite zuletzt aktualisiert wurde. Das Feld kann auch leer bleiben. Die Search API von Perplexity für Entwickler liefert zu jedem Ergebnis, soweit bekannt, ein Veröffentlichungsdatum und ein Datum der letzten Aktualisierung und lässt Ergebnisse nach beiden Datumsangaben filtern. Wie stark ein Datum beeinflusst, auf welche Quellen sich eine KI-Antwort stützt, beschreiben beide Anbieter nicht.
Allgemeiner bleibt Microsoft. Die Webmaster-Richtlinien von Bing gelten auch für Copilot und für Webinhalte, die Bing an KI-Anwendungen liefert. Darin heißt es: Inhalte sollen aktualisiert werden, wenn sich Fakten oder Empfehlungen ändern, und Aktualitätssignale sollen angemessen eingesetzt werden.
Eine Laborstudie deutet darauf hin, dass Sprachmodelle Inhalte bevorzugen können, die neuer datiert sind. Forschende der Waseda-Universität in Tokio und der Hong Kong Polytechnic University stellten sie auf der Fachkonferenz SIGIR-AP 2025 vor. Sie ließen sieben Sprachmodelle in Versionen aus den Jahren 2023 und 2024, darunter GPT-4o von OpenAI, Textabschnitte danach sortieren, wie gut sie zu einer Frage passen. Setzten die Forschenden vor jeden Abschnitt ein erfundenes Veröffentlichungsdatum, rückten die „neueren“ Abschnitte durchweg nach oben; größere Modelle schwächten diesen Effekt ab, beseitigten ihn aber nicht. Die Abschnitte selbst stammten aus einer gängigen Testsammlung der Forschung, nur die Datumsangaben waren künstlich gesetzt; gemessen wurde nicht an KI-Systemen wie ChatGPT oder Perplexity.
Neues Datum nur bei echten Änderungen
Ein Änderungsdatum ist nur so viel wert wie die Änderung dahinter. Google zählt es in seinem Leitfaden zu hilfreichen Inhalten zu den Warnzeichen, wenn das Datum von Seiten geändert wird, damit sie aktuell wirken, obwohl sich der Inhalt nicht wesentlich geändert hat. Ein neues Datum gehört deshalb zu einer echten Überarbeitung, etwa zu neuen Preisen, einem ergänzten Abschnitt oder korrigierten Fakten. Springt das Datum dagegen bei jeder Kleinigkeit oder automatisch jeden Tag um, sagt es Menschen und Maschinen nichts mehr.
Das wichtigste Aktualitätssignal bleibt ein Inhalt, der stimmt. Ruft ein KI-System eine Seite ab, stützt es seine Antwort auf das, was dort steht: Nennt eine Preisseite noch die Preise des Vorjahres, kann die Antwort sie übernehmen, auch wenn die Seite gerade erst abgerufen wurde. Ändern sich Preise, Leistungen, Standorte oder Ansprechpersonen, lohnt es sich deshalb, die betroffenen Seiten zeitnah zu überarbeiten und dabei das sichtbare Datum, wo es eines gibt, dateModified und lastmod gemeinsam anzupassen. Setzt das Content-Management-System, mit dem die Inhalte der Website gepflegt werden, diese Angaben automatisch, sollte geprüft werden, ob sie echte Änderungen widerspiegeln.